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Er will es noch einmal wissen...

Matze, als großes Vorbild für viele, nahm noch einmal den schweren Weg in Kauf nach erneuter Verletzung seine Karriere beim 3x3 wieder in Schwung zu bringen. Wir sprachen über sein Comeback und wir machten einen Rückblick auf anno dazumal, seinen Karrierestart und was man als junge Sportler, ob im Beruf oder im Hobby, für das eigene Leben und die Zukunft mitnehmen kann! 

Alle Deine Fans waren tief betroffen, als Du nach Deiner langen Verletzungspause und nach nur kurzer Wiederkehr am Court erneut mit einer schweren Verletzung ins Aus geschickt worden bist. Wie geht es Dir mittlerweile?
Die letzten 2 Jahre waren wahrlich verhext. Nach meinem Achillessehneneinriss in Kasachstan 2024 und einer 9 monatigen Reha habe ich mir bei der 3x3 WM in Ulaanbaatar 2025 nur 2 Monate nach dem Comeback als Folge einer Kollision in der Luft bei einer schlechten Landung das Kreuzband gerissen. Mittlerweile liegt der härteste Teil der Reha hinter mir: Die Krücken sind weg, der Bewegungsumfang im Knie ist super und auch die Kraft kommt zurück. Ich darf laufen und Krafttraining machen und werde im Frühjahr auch mit Stop&Go Bewegungen starten. Eyes on the prize: Comeback im Sommer 2026.

Nach Deinen Postes hatte man das Gefühl, dass nach all der Energie, die Du für Deine Rückkehr aufgewendet hast, die Ereignisse für Dich psychisch ebenfalls ein schwerer „Schicksalsschlag“ waren?
Ja, ich will ganz offen sein, es war diesmal wirklich schwer, das ganze ähnlich positiv zu sehen wie 2024 und sofort mit vollem Fokus in die Reha zu starten: 9 Monate Reha machen, 2 Monate spielen und dann wieder 12 Monate Reha vor Augen, diese Gleichung geht nicht ganz auf. Neben der körperlichen Heilung braucht es auch und vor allem im Kopf die Kraft, seinem Körper wieder voll zu vertrauen. Es waren nicht nur körperlich, sondern auch mental ein paar sehr schwere und traurige Wochen für mich diesen Sommer, da gibt es nichts zu beschönigen.
Speaking of it möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die mir in dieser Phase Mut zugesprochen haben, bei denen, die einfach „da“ waren oder Hilfe angeboten haben und ganz besonders bei jenen, die ernsthaft an mich, meinen Körper und meine Rückkehr glauben und geglaubt haben - sogar in jenen Momenten, in denen ich es diesmal selber nicht tat. Das bedeutet mir sehr viel!

Man kennt Dich als sehr ehrgeizig. Gibt es Zukunftspläne Deinerseits wieder zurückzukehren oder ist diesbezüglich noch alles offen für Dich oder sogar abgeschlossen?
Das Comeback auf die 3x3 Bühne im Sommer 2026 ist mein erklärtes Ziel. Natürlich muss man sehen, wie der Körper und das Knie reagieren. Auch ich werde älter (sagen sie mir zumindest.. ;-) ) und langsam beginne ich, es mir zu Herzen zu nehmen, wenn meine Physiotherapeuten mich ermahnen, auf meinen Körper zu hören und nicht jeden Tag 110% zu geben. Jahrelang habe ich es perfektioniert, Warnsignale bestmöglich auszublenden, trotz Schmerzen & Müdigkeit weiterzuspielen, weil ich beim Team sein wollte, auf dem Feld sein wollte, am Ende ganz oben stehen wollte. Für die basketballerische Zukunft muss ich mir wohl „Work smart, not hard“ auf die Fahnen schreiben. Das ein oder andere Mal eben nicht dort hingehen, wo’s wehtut. Den ein oder anderen Tag aussetzen, wenn es zwickt. Oder halt auch Mal ein Turnier verpassen, sobald der Terminkalender zu straff wird, auch wenn mir in der Vergangenheit das Herz blutete, wenn ich nicht mit den Jungs in die Schlacht ziehen konnte, sondern auf dem Bildschirm zum Zuschauen verdammt war.

Für Spitzensportler gibt es immer eine „Zeit danach“, sei es altersbedingt oder eben aufgrund von Verletzungen. Machst Du Dir eigentlich Gedanken über andere berufliche Wege? Wenn ja, in welche Richtung könnte das gehen?
Genauso ist es. Der Basketballsport in Österreich und auch das 3x3 bieten leider nicht annähernd eine Möglichkeit auszusorgen. In dieser Hinsicht profitiere ich heute von den zähen Jahren, in denen ich Profisport und mein Wirtschaftsrechtstudium bzw einschlägige Praktika parallel absolviert habe. Eine Tätigkeit als 3x3 Trainer würde mich sehr reizen, ich durfte ja 2024 bereits das 3x3 Damen Nationalteam betreuen. Ehrlicherweise ist der Markt dafür aber aktuell (noch) sehr klein und es wird wohl schwierig, eine Anstellung zu finden, mit der künftig auch eine Familie und ein gewisser Lebensstandard zu finanzieren ist.
Um mich dahingehend doppelt abzusichern, vertiefe & „erfrische“ ich aktuell, mit Unterstützung vom österr. Bundesheer, in einem Master Studium (Steuerrecht & Rechnungslegung) meine Fachkenntnisse, um theoretisch auch jederzeit in der „zivilen“ Welt Fuß fassen zu können. Ich hatte ja auch bereits mehrere Berührungspunkte mit Tätigkeiten in der Privatwirtschaft und ich sehe dort eine rosige Zukunft für mich. Eine Option, die ich mir u.U. vorstellen könnte, wäre auch eine Art „Einschleifregelung“, also über einige Saisonen hinweg neben dem Sport langsam in die Arbeitswelt einzusteigen.
Mein Plan und Wunsch sind es trotzdem, mich noch mindestens einen Olympiazyklus im 3x3 zu verwirklichen, auf Clubebene die #1 Platzierung der Weltrangliste zu attackieren und mit der Nationalmannschaft die Quali für L.A. 2028 zu schaffen. Für einen derart würzigen Mix braucht es natürlich viele Zutaten, die Rahmenbedingungen muss der Verband schaffen. Ich werde mein Möglichstes tun, ab Sommer wieder aktiv beisteuern zu können!

Vor Kurzem konnten wir anhand von Fotos deine Karriere ein bisschen rückblickend betrachten, z.B. der U14 Staatsmeister. Zu dieser Zeit war es für Dich noch nicht denkbar, dass Du im BBsport den Grundstein für Dein jetziges Leben legen würdest. Erzähle bitte, vor allem auch unseren Kindern und Jugendlichen, was Du aus dieser Zeit mitnimmst und was es für Dich bis hinein in die heutige Zeit privat gebracht hat.
Wie Du ganz richtig sagst, habe ich mit 14 Jahren eigentlich noch nicht an den Profisport gedacht: Die Bundesligapartien, die ich mir vom Jugendcorner aus angesehen habe, haben mich durchaus fasziniert, aber das Bundesliganiveau und die Physis erschien für mich damals noch Welten entfernt. Umso überraschter war ich, als mich der damalige BL Head Coach Mathias Fischer zum kommenden Vorbereitungsbeginn eingeladen hat! Ich hatte nach dem 1. Tag (Fitnesstest + Hallentraining) derartigen Muskelkater, dass ich dankend abgesagt habe und mein Debüt im BL Kader noch 2 Jahre aufgeschoben habe.

Genug des Schwelgens, nun zu Deiner Frage: Aus meiner Zeit als Basketballjugendspieler habe ich extrem viel mitgenommen. Zum einen habe ich beim Basketball (im Jugendsport allgemein) gelernt, was Disziplin bedeutet: dass man sich in ein Gefüge eingliedern muss, dass man gewisse Regeln zu befolgen hat (Pünktlichkeit, Regelwerk, etc) und dass man nur besser wird, wenn man konsequent und mit Einsatz über eine lange Zeit an etwas arbeitet. Zum anderen hat mir der Basketball eine Menge an unvergesslichen Erinnerungen geschenkt. Erinnerungen, die wir als Gruppe erreicht haben, wie bspw den Staatsmeistertitel in der U14 oder den Vizestaatsmeistertitel in meinem ersten u19 Jahr, beides daheim in der Gmundner Heimhalle. Und beides mit Teamkollegen, von denen einige bis heute zu meinen engsten Freunden zählen! Das Basketballtraining und die Matches waren für mich nicht nur ein Ventil, um Energie abzubauen, sondern auch und vor allem einer der wichtigsten sozialen Treffpunkte meiner Jugend.
Zu guter Letzt trug und trägt der Sport immer noch zu meiner mentalen Stärke dabei: im Sport lernt man seinen Körper kennen: man lernt, was man kann und was man (noch) nicht kann – ich finde, das ist ganz entscheidend für ein gesundes und stabiles Selbstbild und Selbstwertgefühl! Auch das Gefühl, alleine und in der Gruppe etwas zu erreichen (ein Korberfolg, ein Steal, ein erfolgreicher Spielzug, ein Sieg,..) ist großartig für die eigene Confidence! Außerdem habe ich insbesondere im Sport gelernt, mit Niederlagen und Rückschlägen (Verletzungen) umzugehen (Ich war früher ein katastrophaler Verlierer…. heute ist das ein kleines bisschen besser…. Glaube ich zumindest… 😉)

Matthias, unsere allerbesten Genesungswünsche begleiten Dich und hoffentlich werden Deine weiteren persönlichen Träume in Erfüllung gehen! 🍀Danke, dass Du uns wieder ein wenig Zeit für ein Gespräch gewidmet hast! 🏀🦢

Eva Franke