Mit starken Leistungen sorgt Jerome Hunter in dieser Saison in Gmunden für Aufsehen. Im Gespräch spricht der US-Forward über den Trainerwechsel, den aktuellen Playoff-Kampf und seine persönliche Entwicklung in seinem ersten Jahr als Profi im Ausland. Außerdem gibt er Einblicke in seine Basketball-Anfänge, seine Zeit bei March Madness und sein Leben fern der Heimat.
Da sich die Situation hier in Gmunden gerade verändert hat – zuerst einmal: Wie fühlst du dich mit dem Wechsel im Trainerstab und wie kann man als Spieler bzw. als Team mit so einer Situation umgehen?
Ich mag unseren neuen Coach Nabil. Ich mochte auch unseren letzten Coach, er war mein erster Trainer im Ausland. Aber ich mag Nabil auch, vor allem, weil er Dinge gesehen hat, die der vorherige Coach nicht umgesetzt hat. Jetzt macht er das – und wir haben drei Spiele gewonnen. Als Team müssen wir einfach die nächsten Schritte machen und anfangen zu gewinnen, denn das hier ist ein Programm, in dem man gewinnen muss.
Wie blickst du auf die kommenden Spiele – den Kampf um einen Playoff-Platz – und was muss passieren, um dieses Ziel zu erreichen?
Ich glaube, wir sind alle sehr motiviert, besonders wegen der Art und Weise, wie wir zuletzt gespielt haben. Wir haben im Moment einiges zu beweisen, weil dieses Team eigentlich daran gewöhnt ist, in den Playoffs zu sein und nicht um einen Platz kämpfen zu müssen. Aber dass wir jetzt kämpfen müssen, kann uns auch guttun.
Jetzt würde ich gerne ein bisschen mehr über dich und deine Karriere erfahren: Wie und warum hast du mit Basketball angefangen?
Ich habe mit Basketball angefangen, weil ich für American Football zu groß geworden bin. Also wurde ich quasi dazu gedrängt, Basketball zu spielen. Aber als ich dann besser wurde, habe ich weitergemacht und mich in den Sport verliebt.
Und wenn du heute kein Basketballspieler wärst – welchen Beruf würdest du ausüben?
Wahrscheinlich wäre ich Basketballtrainer. Ich arbeite gern mit Kindern und helfe ihnen, ihre Träume zu verwirklichen. Vermutlich würde ich das machen, weil ich selbst einen Mentor hatte, der mir geholfen hat – und ich würde versuchen, das Gleiche weiterzugeben.
Wer sind deine Vorbilder im Sport und im Alltag?
Ich würde sagen meine Mom. Sie ist die einzige Person, die mein ganzes Leben lang wirklich immer für mich da war. Und mein Mentor – er ist jetzt High-School-Coach in den USA – war auch immer für mich da.
Mit durchschnittlich 20 Punkten und 10 Rebounds pro Spiel bist du derzeit einer der besten Spieler der Liga. Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung und wie würdest du die österreichische Liga insgesamt einschätzen?
Für mein erstes Jahr bin ich ziemlich zufrieden mit meiner Leistung. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich noch besser spielen könnte – vor allem wegen der Spiele, die wir nicht gewonnen haben. Aber ich finde, das Niveau in Österreich ist sehr gut. Es gibt Teams hier, gegen die wir im Moment kaum eine Chance haben, einfach weil sie so gut sind und für jedes Spiel sehr gut vorbereitet sind. Aber ich denke, mit dem neuen Trainerstab haben wir jetzt eine Chance.
Was sind deine persönlichen Ziele für diese Saison und für deine Zukunft?
Für diese Saison ging es für mich einfach darum, hierherzukommen und mein Bestes zu geben. Für den Rest meiner Karriere möchte ich jeden Tag besser werden, den nächsten Schritt machen, sehen, wie weit ich kommen kann – und einfach weitermachen.
Am College hast du mit der Nummer 21 gespielt – hier in Gmunden war sie schon vergeben. Warum hattest du ursprünglich diese Nummer?
Als ich in meiner Jugend Basketball gespielt habe, hatte ich die Nummer 21. Meine erste Nummer war 34, dann hatte ich lange die 21 und in der Highschool bin ich auf die 1 gewechselt. Als ich dann ans College kam, war die 1 aber schon vergeben, also bin ich wieder zur 21 zurück. Ich erinnere mich auch, dass ich später von der 21 auf die 2 gewechselt habe, weil ich ein schlechtes Jahr im College hatte und einen Neuanfang wollte. Deshalb ist meine Nummer jetzt die 2.
In ein paar Wochen beginnt in den USA March Madness. Du bist einer der wenigen Spieler, die wir hier in Gmunden hatten, die dort gespielt haben. Wie ist es, bei March Madness zu spielen?
Oh, das ist ein großartiges Gefühl. Das ist eine Erfahrung fürs Leben. Es ist das größte Ereignis des Jahres im Basketball und alle Augen sind auf dich gerichtet – in dieser Zeit trifft auch unglaublich viel Basketball-Know-how aufeinander.
Wie war der Übergang vom College zu deinem ersten Jahr als Profi?
Ich glaube, der Übergang war ziemlich gut. Das College hat mir viel darüber beigebracht, wie man professionell arbeitet – besonders, weil ich sieben Jahre dort war. Ich bin jetzt älter und spiele mit anderen Profis, die das für ihren Lebensunterhalt machen und nicht gleichzeitig studieren und Basketball spielen. Sich einfach nur auf Basketball konzentrieren zu können, war für mich eine große Sache.
Es ist also auch dein erstes Jahr im Ausland. Wie ist das für dich?
Es ist okay. Am Anfang war es schwer für mich. In den ersten zwei Wochen hier war ich krank und konnte nicht einmal trainieren. Aber danach, als die Spiele angefangen haben und ich meinen Rhythmus gefunden habe, wurde alles besser.
Wie wichtig ist deine Familie in deinem Leben, besonders jetzt, wo du im Ausland lebst?
Sie ist sehr wichtig für mich. Ich habe drei kleine Brüder, eine Nichte, zwei Schwestern und meine Mom. Meine Mom war ein Einzelkind, deshalb habe ich keine Cousins oder Cousinen – wir sind also wirklich nur wir. Mit ihnen telefonieren zu können und Kontakt zu haben, ist ein Segen. Sie waren noch nicht hier, weil es mein erstes Jahr ist und noch keiner von ihnen einen Reisepass hat. Aber wir telefonieren jeden Tag, besonders mit meiner Mom. Wir haben immer Kontakt.
Du lebst jetzt schon ein halbes Jahr in Gmunden. Wie hast du reagiert, als dein Agent dir gesagt hat, dass du nach Österreich kommst?
Um ehrlich zu sein: Ich wusste zuerst gar nicht, was Österreich ist. Ich dachte lange, er meint Australien. Aber dann habe ich gesehen, wie schön es hier ist, besonders in Gmunden. Der See, die Berge – die Aussicht ist großartig. Als ich von zu Hause weggegangen bin, hatte ich das Gefühl, weggeschickt zu werden. Aber jetzt liebe ich es hier. Ich bin gespannt, wo ich nächstes Jahr sein werde und wohin mein Weg mich führt.
Also hat es am Ende deine Erwartungen erfüllt?
Ja, auf jeden Fall. Ich liebe alles hier und kann mir kaum vorstellen zu gehen. Aber wenn es soweit ist, werde ich bereit sein. Trotzdem werde ich traurig sein, wenn ich gehen muss.
Was ist dein Lieblingsort hier?
Ich war ein paar Mal in Wien, das war cool. Es ist einfach eine größere Stadt mit viel mehr Menschen. Ein Freund von mir, der beim Wiener Team spielt, hat mir dort ein paar Orte gezeigt, die er gerne besucht. Also würde ich sagen: Wien.
Du bist also eher ein Stadtmensch?
Ja, ich denke schon.
Hier in Gmunden war ja gerade Fasching. Hast du so etwas vorher schon einmal erlebt?
Nein, eigentlich nicht. Dass sich alle verkleiden? Nein, das kannte ich vorher nicht.
Aber warst du dort?
Ja, es war ganz cool. Ich hatte Spaß. Ich war mit meinem Teamkollegen Bruno [Fernando] dort. Er hatte richtig Spaß, also habe ich versucht mitzuhalten. Ich hatte das Gefühl, dass dort alle eine besondere Energie hatten. Als ich hier angekommen bin, hat mir Dani [Friedrich] davon erzählt und gesagt, dass es eines der größten Dinge hier in Gmunden ist und dass es jeder liebt – man soll einfach hingehen und Spaß haben. Verkleidet habe ich mich aber nicht. Ich habe einfach gesagt, ich sei ein Amerikaner – das war mein Kostüm. *lacht* Aber ja, es hat Spaß gemacht.
Jetzt ist Nationalteam-Pause. Wie bleibt man in so einer Zeit im Rhythmus?
Ich weiß nicht, das ist schwierig. Ich bin nicht daran gewöhnt, so viele Pausen zu haben. Im College hatten wir vielleicht drei Tage frei, aber nicht gleich eine oder zwei Wochen. Was ich im Moment versuche, ist mehr Zeit mit meinen Teamkollegen zu verbringen und mehr Dinge gemeinsam zu machen, damit wir als Team verbunden bleiben – auch wenn wir uns sowieso jeden Tag im Training sehen. Wir müssen unseren Zusammenhalt behalten und sicherstellen, dass wir alle verbunden bleiben. Denn am Ende des Tages brauchen wir einander.
Danke für das Gespräch!
Saskia Wiemann
Since it's a new situation here in Gmunden right now -first things first: How do you feel about the change in the coaching staff and how can a player/ a team handle a situation like that?
I like our new coach Nabil. I liked our last coach too, he was my first overseas coach. But I like Nabil too, also because he saw things that the former coach didn't adress and now he's doing it and now we won three games. As a team we just have to move on to the next steps and we have to start winning because this is a winning program and not a team that is used to losing.
How do you feel about the upcoming games - the fight for the place in the playoffs – and what has to be done to reach that goal?
I think we're all very excited, especially about the way we've been playing lately. We have a lot to prove right now because this team here is used to being in the playoffs and not having to fight for a spot. But since we have to fight for a spot, it is better for us right now.
Now I want to know a little bit more about you and your career, so: How and why did you start playing basketball?
I started playing basketball because I got too tall for American football. So, I got forced to play basketball, but once I got good at it, I kept playing it and I fell in love with it.
And if you weren’t a basketball player today, which job would you do?
I'll probably be a basketball trainer. I like being around kids and helping them fulfill their dreams. I'll probably do that because I had a mentor that helped me, and I would probably do the same thing he does.
What are your role models in sports and in everyday life?
I would say my mom. That's the only person that's really been around for me my whole life. And my mentor, he's a high school coach right now back in America, but he's been there for me too.
With an average of 20 points and 10 rebounds per game you are one of the best players in the league right now. How satisfied are you with your performance and how would you rate the Austrian league overall?
I'm pretty satisfied with my performance for being my first year. I still feel like I could do better, especially because of all the games that we haven't been winning. But I feel like the Austrian competition is very good. There are teams out here that we can't even come close to beating just because of how good they are and how good they’re set up for each game. But I feel like now we got a chance with a new coaching staff.
What are your personal goals for this season and also for your future?
For this season it was just coming out here and doing my best. For the rest of my career it's getting better each day, trying to take the next level up and see how far I can go and just keep going.
In college you played with the number 21 – here in Gmunden it was already taken, but why did you take it originally?
I had 21 growing up playing basketball. My first number was 34, then I had 21 for a long time and then in high school I switched to 1, but then 1 was taken when I first got to college and then I went back to 21. I remember switching from 21 to 2 just because I had one bad year in college and so I wanted a fresh new start. And so my number is 2 now.
In some weeks March Madness is starting in America. Since you are one of the few players that we had here in Gmunden that competed in it, how is it playing in March Madness?
Ohh, it's a great feeling. That’s the experience of a lifetime. It's the biggest thing of the year for basketball and the spotlight and a lot of attention is on you - a lot of basketball knowledge being shown during that time.
How was the transition from college to your first year in a professional team?
I feel like it was pretty good. College taught me a lot how to be professional, especially me being in college for seven years. I'm older now and playing with other professionals that do this for money and not just because we're coming here to study school and playing basketball at the same time. Being able to just focus on basketball, was a big deal for me.
So, it's also your first year abroad? What is it like?
It's fine. It was hard for me at first. The first two weeks I got here, I was sick and I couldn't even practice or anything. But after that and as we started playing and me finding my rhythm with things everything was fine.
How important is your family in your life, especially now when you're living abroad?
They're very important. I have three little brothers, a niece and two sisters and my mom. My mom was an only child, so I don't have any cousins, so it's really just us. Having them to call and be around is just a blessing. They haven't been here yet because it’s my first year and none of them have their passports yet. But we talk on the phone every day, especially with my mom. We always have a connection.
You’re now already living half a year in Gmunden. What was your reaction when your agent told you that you were coming to Austria?
To be honest, I didn't know what Austria was, I thought he meant Australia for the longest. But then I saw how beautiful it was out here, especially Gmunden. I saw how good it looked, the lake, the mountains - the view was great. Leaving home I was feeling sent away but now that I'm here, I love it. I can't wait to see where I'm at next year, see where I'm going to be different.
So, did it meet your expectations in the end?
Yes, for sure. I love everything about here and I can't even imagine leaving, but I’ll be ready for it. But I'm going to be sad when I have to leave.
What's your favorite spot here?
I've been to Vienna a couple times and that's fine. It's just a bigger city, a lot more people. A friend that plays for the Vienna team showed me around to different places that he liked to go to. So, yeah, I say Vienna.
So, you're more like of a city guy?
Yeah, I think so.
Now there was carnival here in Gmunden. Did you experience anything like that before?
No, I haven't actually. Where everybody dresses up? No, I haven’t experienced that.
But did you go?
Yeah, it was fine. I had fun. I was with my teammate Bruno [Fernando]. He had a lot of fun, so I was definitely with him trying to keep up. I feel like everybody there just had a different energy to them. When I first got here Dani [Friedrich] told me about it and he said that it was one of the biggest things here in Gmunden and everybody loves it - just go there and have fun. But I didn't dress up. I just kept saying I was an American. That was my dressup. *laughs* But yeah, I had fun.
Now there's national team break. How do you keep the rhythm in that time?
I don't know, it's hard. I'm not used to having these many breaks. In college I used to have a three day break, not a whole week or two week break. But what I've been doing is trying to be around with my teammates more and have more team-bonding activities, just so we could keep our connection together, even though I see them every day in practice too. We just got to keep our bond together and make sure that we're all still connected. Because at the end of the day, we need each other.
Thank you for the conversation!
Saskia Wiemann

























