20.08.2017

Interview mit Harald Stelzer

DIE Neuigkeit der neuen Gmunden Swans Saison – „Harald Stelzer“ legt die sportliche Leitung zurück und übergibt das „Zepter“ an Richard Poiger und Thomas Stelzer. Das Warum und wie es weitergeht erklärt er uns in diesem Interview!

Harry, warum dieser Schritt?

Ich glaube, dass es nach mehr als 30 Jahren an der Zeit ist, die sportlichen Belange in jüngere Hände zu übergeben. Nach so langer Zeit sind neue Ideen gefragt. Der Zeitpunkt wurde von mir deshalb gewählt, da es heuer nicht viele Veränderungen innerhalb der Mannschaft gibt und das eine gute Gelegenheit ist, das Umfeld neu aufzustellen.

Ganz ohne BB geht bei dir die Chose nicht. Du wirst dich nun verstärkt um die wirtschaftlichen Belange kümmern?

Ja, ich habe den Vorsitz unseres Wirtschaftsbeirates übernommen, weil die Finanzierung unserer Programme derzeit DAS vordergründige Thema ist und ich mich da voll reinknien möchte. Bei der Hallenorganisation werde ich ebenfalls noch mit voller Kraft mitwirken, mir wird also sicher nicht fad ?

Ebenfalls wirst du die Aufgaben als Gmundner Vertreter in den Ligagremien vorerst weiter wahrnehmen. Hast du auch in diesem Bereich vor den Weg für die „jüngere“ Generation zu ebnen und sie einzuführen?

In dieser Saison mache ich das noch weiter, auch weil ich mit dem gerade gewählten neuen Präsidium der ABL „gut kann“. 

In der BBszene ändert sich einiges, „Granden“ wie Helmut Niederhofer (Traiskirchen), Heinz-Peter Fiszter (Wels) und Andreas Leitner (Oberwart) die den österreichischen BB jahrelang geprägt haben ziehen sich aus ihren Positionen zurück. Werden sie dir fehlen? 

Na ja, sie sind ja nicht von uns gegangen, ich habe noch immer laufend Kontakt, über die Jahre ist ja da auch eine freundschaftliche Verbindung entstanden. Ich glaube eher, dass sie der österreichischen Bundesliga als Ganzes fehlen werden, da sie doch in den letzten Jahren maßgeblich an der Entwicklung mitgewirkt haben.

Für Randsportarten wird es immer schwieriger Sponsoren zu lukrieren. Glaubst du, dass ein „Jakob Pöltl Effekt“ (erster österreichischer NBAspieler bei den Toronto Raptors) den österreichischen BB bewegen kann so wie es zum Beispiel beim deutschen BB durch Dirk Nowitzki gelungen ist?

Das hängt in erster Linie von den Erfolgen des Nationalteams ab. Wenn sich diese einstellen, wird es sicher wieder etwas nach vorne gehen, wenn nicht, hilft auch ein NBA Spieler Pöltl nicht. Mit Deutschland kann man uns sowieso auch nicht im kleinsten Detail vergleichen, weil es dort in jeder Sportart eine ganz andere Mentalität gibt, Sponsoring dort Ehrensache und gesellschaftliche Verpflichtung ist. 

Neue Regelungen für die Bezahlung junger österreichischer Athleten sollen mehr Sicherheit mit dem „Beruf Basketballer“ bringen. Kannst du uns das kurz erklären?

Erstens soll diese zu mehr Transparenz führen. Zweitens soll die Einführung dieses Mindestsalärs Standards schaffen, an denen sich ein Spieler auch orientieren kann. Letztlich ist es nicht unwesentlich, dass man auch in jungen Jahren schon Versicherungszeiten erwirbt. Dass es gegen diese Einführung massiven Widerstand einiger Vereine gab, ist bezeichnend. Denn wenn man die Regelung genau anschaut, entspricht die Mindestbezahlung eines Jungprofis nicht einmal der Entlohnung einer Reinigungskraft. 

Es gibt 2 wesentliche Faktoren: Zum einen muss jeder Klub, der Legionäre beschäftigt, ab dem 2. „Ausländer“ auch einen Österreicher als Profi anmelden (Paritätsprinzip). Darunter fallen auch Jungprofis, die entweder 12 Monate mit 1000 Euro brutto oder 8 Monate mit 1500 brutto angemeldet sein müssen.

D.h. in der Praxis, dass ein Klub, der mit 3 Ausländern spielt, zumindest 2 österr. Profis engagiert haben muss Es soll auch ein Anreiz für Österreicher sein, zumindest einige Jahre das Berufsbild Basketballprofi zu wählen. Alles wird von der ABL sorgsam kontrolliert und überwacht und auch die Budgets müssen dementsprechend angepasst sein. Deswegen haben derzeit viele Vereine so massive Auflagen (derzeit dürfen Graz, Fürstenfeld, Vienna und Traiskirchen nur mit 2 Legionären starten, nur Gmunden und Kapfenberg dürfte das volle Kontingent von 5 ausschöpfen). Wenn allerdings Sponsorenverträge nachgereicht werden, kann da noch nachgerüstet werden und sich noch einiges ändern.

Österreicher fördern, den Eigenbau stärken klingt gut. Kritiker befürchten ein sinkendes Niveau, leben wir in einem Schlaraffenland oder ist es doch die Chance den österreichischen Basketball zu stärken?

Das Niveau ist in den letzten Jahren leider schon gesunken, hängt ursächlich auch damit zusammen, dass viel weniger qualitativ gute Legionäre in Österreich beschäftigt werden und doch einige gute österreichische Spieler im Ausland Fuß fassen konnten. 

Das wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern, die Budgets der Vereine lassen das ja erahnen. Umso mehr wird es für den Bestand eines Bundesligavereines immer wichtiger werden, eigene Spieler „hochzuziehen“

Noch kurz zu Privatem:

Hast du je deine Vereinsarbeit (unbezahlt und neben deiner beruflichen Arbeit im AMS Gmunden) als Last empfunden, gab es  auch „Ich hau‘ jetzt den Hut drauf!“ Momente?

Als Last sicher nicht, sonst würde ich das auch nicht weiterhin gerne machen. Sicher gab‘s etliche Momente, die nicht so lustig waren, es drehte sich allerdings fast immer um finanzielle Belange und scheinbar unüberwindbare Hürden.

Aber ich habe in den vielen Jahren so viele Menschen kennengelernt, so viele Freunde gewonnen, dass das die wenigen negativen Momente mehr als wettmachte. Außerdem glaube ich nach wie vor, dass unser Verein durch die vielen Mitarbeiter etwas ganz Besonderes ist, wo es so gut wie keinen Streit gibt und man diesen Zusammenhalt sorgsam pflegen muss. 

Bist du stolz darauf, dass Thomas (mit Richi) in deine Fußstapfen tritt. Wirst du auch väterlichen Ratschlag erteilen?

Also ich hoffe, dass die beiden einen eigenen Weg beschreiten und ich habe mir fest vorgenommen, mich in sportliche Belange nicht mehr einzumischen. Ratschläge sollte man meiner Meinung nur dann erteilen, wenn man gefragt wird. 

Und auf Thomas bin ich als Person stolz, dass er im Verein mitarbeitet und mehr Verantwortung übernimmt ist natürlich super.